Trump braucht einen Krieg

Es ist gut für die Amerikaner, dass Trump und die Republikaner zu dilettantisch (und desinteressiert) sind, um ihren eigenen Healthcare-Plan Gesetz werden zu lassen. So verlieren über 20 Millionen Amerikaner nicht ihre Krankenversicherung (wie es unter anderem vom CBO, dem Congressional Budget Office, für das neue, nun geplatzte Gesetz prognostiziert wurde).

Aber damit ist die erste große Gesetzesinitiative von Trumps Präsidentschaft gehörig gescheitert. Das muss man sich vergegenwärtigen: Die Republikaner halten Senate und Congress und das White House UND sie reden seit 7 Jahren davon, das verhasst zivilisationsnahe Healthcare von Obama wieder rückgängig zu machen – und scheitern an sich selbst. Die ersten hundert Tage, in denen die GOP alle Zügel hält und das essentielle Ergebnis wird sein: Nichts.

Und das, während doch Präsident Trump der Dealmaker ist!

Man macht sich noch gegenseitig verantwortlich; Trump ist natürlich nicht irre genug, um sogar den völlig machtlosen Demokraten eine Teilschuld zuschieben zu wollen, hilarious.

Das ist aber kein gutes Zeichen für den Rest der Welt, im Gegenteil.

White House blame game intensifies as Trump agenda stalls – POLITICO:

The recriminations extend far beyond the implosion of the GOP’s Obamacare repeal on Friday. Senior aides are lashing each other over their inability to stem a never-ending tide of negative stories about the president. There is second-guessing of the Republican National Committee’s efforts to mobilize Trump’s electoral coalition on behalf of his legislative priorities. At the Environmental Protection Agency, a top official quit recently amid accusations the department is failing to advance the president’s campaign promises. And one of Trump’s most generous benefactors, Rebekah Mercer, has expressed frustration over the direction of the administration.

(Dass die Republikaner ihre irre Healthcare-Zerstörung nicht auf die Reihe bekommen haben, zeigt nicht nur ihren Dilettantismus auf, sondern auch dass sie mehr Glück als Verstand haben. Wer dafür sorgt, dass deine Familien und Freunde sterben und/oder dank Krankheit und Kosten obdachlos werden, wird nicht mehr von dir gewählt bei der nächsten Wahl, egal wie sehr du “die anderen” hasst. Aber das nur am Rande.)

Im White House sitzen Dilettanten. Als nächstes nehmen sie sich eine Steuerreform vor. Das letzte Mal klappte das in den USA 1986. Und dann ist da noch Trumps Plan/Wunsch, eine Billion Dollar in einen Infrastruktur-Plan zu stecken. Und seine Mauer.

Es ist mittlerweile vorhersehbar, dass der republikanische Dealmaker im White House keines dieser großen Projekte auch nur annähernd umgesetzt bekommen wird.

Das ruiniert ihm das was ihm am wichtigsten ist: Seine Marke.

Und: Selbst die Mercers, die Leute im Hintergrund, die massgeblich bei Brexit und Trumps Wahl mitgeholfen haben sollen, werden langsam ungeduldig aufgrund der nicht endenwollenden, zur Schau gestellten Idiotie.

Wer wie Trump keine Fehler macht, niemals gemacht hat und just the best ist, der braucht einen Gegenüber, der für alles Schlechte verantwortlich ist, es sind immer die anderen. Die Wahl ist vorbei, Hillary geht wandern, und in D.C. hält blöderweise die eigene Partei die ganze Macht in den Händen. Was tun?

Die Unfähigkeit, innenpolitisch irgendetwas auf die Reihe zu bekommen, erzeugt für Trump und co. eine eigene innere Logik, die Außenpolitik ins Spiel zu bringen. Man braucht einen Feind, jemand auf den man sich konzentrieren kann. Jemanden auf den man verweisen kann, an dem man sich reiben kann. Jemanden, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf einen zieht; da ist ja auch noch diese lästige Russland-Geschichte, die nicht weggehen will. Angenommen, etwas anderes würde die Titelseiten und Talkshows dominieren oder zumindest um den Platz dort kämpfen.

Der Ex-Exxon-CEO Rex Tillerson (das ist doch ausgedacht! Come on!) ist Außenminister, der keiner sein will. (Ffs) Und die Bürokratie, die ihn stützen soll..well, man sollte diesen Atlantic-Artikel lesen, um das ganze Ausmaß zu verstehen, mit dem gerade Regierungsstrukturen in den USA den Bach runtergehen: http://ift.tt/2lyY6Ge

Tillerson hat bereits gesagt, ohne selbst irgendwas diplomatisches in seinen anderthalb Tagen Amtszeit getan zu haben, dass die Zeit jetzt für Diplomatie mit Nord-Korea abgelaufen sei. Wer braucht schon Geduld, wenn man Atombomben hat. Trump selbst wird nicht müde, immer wieder Iran in’s Spiel zu bringen.

Die Chancen stehen also 50:50, dass es entweder Iran oder Nord-Korea trifft. (Bei letzterem kann Trump endlich seine heißgeliebten Atombomben einsetzen. (“Why not use them?” YEAH, WHY INDEED, ASSHAT.))

Ein Krieg würde die Massenmedien in den USA vielleicht nicht so auf Reihe bringen wie seinerseits beim Irakkrieg (ein düsteres Kapitel des US-Journalismus), aber vielleicht wenigstens ein bisschen? Why not try? Schlimmer kann es für Trump, den jede negative Story über ihn und seine Untergebenen stört, nicht werden. Und: Trump ist am besten, wenn er einen Feind hat. (Wie alle autoritären Führer.) Das ist gut für ihn und gut für seine Wählerbasis. Dass Trump (wie so viele autoritären Führer) auch dank Rassismus an die Macht kam, kommt nicht von irgendwo.

Das alles muss kein expliziter Gedankengang sein, es reicht ein Bauchgefühl bei Trump, das Pro-Krieg ist. Obwohl Bannon einen Krieg sicher direkt und privat explizit gut findet, und Trump, na, sagen wir, er macht den Eindruck, als wenn ein bisschen Krieg spielen ihm Spaß machen würde.

Und ehrlich, mit einem kopf- und armelosen diplomatischen Korps (+Tweets im Bademantel) ist es nur eine Frage der Zeit, bis die USA eine kleine Krise zu einer größeren und größeren und jetzt ist aber genug geredet, Angriff.

Bleibt am Ende -neben der Höhe der Kursanstiege in der Konservenindustrie- unter anderem die Frage, was die NATO tun wird. Weil Trump, kein Fan von Details, auch keinen Unterschied zwischen der Definition von Offensive und Defensive machen wird, das kann man ja auch alternativ sehen, wir bezahlen hier immerhin, und überhaupt: Es wird alles noch unübersichtlicher werden.

Also, wie gesagt, gut, dass die Amerikaner ihr (im Vergleich zum deutschen System immer noch halb-barbarisches) Healthcare nicht gleich wieder entzogen bekommen haben von Leuten, die Politik nur für Millionäre machen, aber: Die eigentliche Katastrope hat gerade erst angefangen.

Laut Gallop sehen übrigens nur noch 36% der US-Amerikanter die Trump-Regierung positiv: http://ift.tt/2natbkg
Das ist historisch schlecht.

Es wird also leider Zeit.
(Via Facebook)

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